Der amerikanische Präsident Woodrow Wilson verkündete am 8. Januar 1918 seine berühmten „14 Punkte“ für den kommenden Friedensschluss. Das Selbstbestimmungsrecht war dabei eine bedeutsame Forderung, es wurde aber nur in begrenztem Umfang angewandt.

Die europäischen Alliierten, Großbritannien, Frankreich und Rußland, hatten bereits 1915 vereinbart, dass Italien, sobald es auf ihrer Seite in den Krieg eintreten würde, das Recht erhalten sollte, sich ungehindert Tirol südlich des Brennerpasses, Triest, Istrien, das nördliche Dalmatien, Rhodos und Kos einzuverleiben.

Diese Zusage entsprach ganz der bis dahin üblichen machtpolitischen Praxis, sie stand aber in deutlichem Widerspruch zum neuen Prinzip des Selbstbestimmungsrechtes, das sich gerade durchzusetzen begann.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erfolgte eine territoriale Neuordnung Europas: Vier große Reiche lösten sich auf und ihre Herrscher verschwanden von der politischen Bildfläche: Die Romanow-Dynastie in Russland, das Osmanische Reich, die Habsburger Dynastie in Österreich-Ungarn und die Dynastie der Hohenzollern in Deutschland.

Zurückblieben eine Reihe von territorial reduzierten Staaten: Sowjetrussland, die Türkei, Österreich, Ungarn und Deutschland.

Demgegenüber entstanden eine Reihe neuer Staaten in Zentral- und Osteuropa: Polen erstand nach einer mehr als 100jährigen Geschichte der Teilung und staatlichen Nichtexistenz neu, die Tschechoslowakei entstand als ein völlig neuer  Staat.

Für eine kurze Übergangsperiode entstand eine selbstständige Westukraine, und die drei baltischen Staaten wurden gegründet.

Desgleichen wurde Finnland selbständig, was es zuvor niemals gewesen war. Außerdem bekamen die Kroaten, Slowenen und Serben ihr eigenes Königreich auf dem Balkan.

Schließlich wurde eine Reihe von Grenzen zwischen existierenden Staaten korrigiert.