Paul Haase, der in der Abstim­mungszeit von Berlin nach Flens­burg gekommen war, hat sein „Ritterplakat“ in Anlehnung an Albrecht Dürers Kupferstich „Rit­ter, Tod und Teufel“ gestaltet, der damals jedem deutschen Schul­kind bekannt war. In einer Zeit voller unüberwindlich scheinen­der Widrigkeiten galt der Ritter als Symbol für deutsche Treue und Durchhaltewillen. Das in dunk­lem, flächigem Plakatstil gehalte­ne Blatt zeigt deutlich den Gegen­satz zu den insgesamt freundlich­eren (Aquarell-)Farben der däni­schen Plakate. Der grimmig blik­kende schwarze Ritter hebt seine rechte, fast übergroβe Schwur­hand und ermahnt die Menschen, das „Erbe der Väter“ zu wahren. Mit seiner linken, gepanzerten Faust hält er eine Schleswig-Holstein-Fahne fest auf seiner Schul­ter. Zu der bildlichen Aussage hat Haase einen Text gewählt, der den „Rütlischwur“ aus Friedrich Schil­lers „Wilhelm Tell“ aktualisiert wiedergibt. Der Künstler, der „frei“ durch „Deutsch“ ersetzt hat, brauchte keine Bedenken zu tragen, daβ er dabei nicht verstanden wurde, denn Schillers Drama und insbesondere der „Rütlischwur“ waren damals jedem Deutschen bekannt – beide verkörperten Kernaussagen das damaligen deutschen Nationalgefühls. Dänischen Betrachtern muβte das Plakat unverständlich, ja drohend erscheinen - der Ritter wur­de geradezu als „Dänenschreck“ angesehen. Deutsches Abstimmungsplakat, gezeichnet von Paul Haase. Auflage unbekannt. 80 x 57 cm. Text des „Rütlischwurs“ aus Schillers „Wilhelm Tell“: Wir wollen sein eis einzig Volk von Brüdern, In keiner Not uns trennen und Gefahr. Wir wollen frei sein, wie die Väter waren, Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben.